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Der Wolf im Schafspelz: Moderne Cyberangriffe und wie Sie ihre Mitarbeitenden und ihr Unternehmen schützen

Ein Wolf, perfekt getarnt unter Schafen, schlendert scheinbar harmlos über eine saftige Blumenwiese mit Schäfchenwolken am Himmel. Niemand vermutet Böses – bis es zu spät ist.


Genau das ist heute das größte Risiko für Unternehmen: Angreifer geben sich digital als “ganz normale Schafe” aus und nutzen modernste Technologien, um selbst erfahrene Teams zu täuschen.

Dieses Bild begleitete mich nicht nur symbolisch, sondern wurde auf der it-sa – der führenden Fachmesse für IT-Sicherheit – schlagartig Realität: Dort habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie überzeugend KI-generierte ​Teams-Videocalls auftreten können. Selbst gestandene Unternehmen kämen ins Grübeln, ob sie einem „wahren Kollegen“ oder doch einem perfekt getarnten Wolf gegenübersitzen.


Was ist passiert? Der Angriff auf Salesforce-Instanzen am Fall Palo Alto Networks

Kriminelle verschafften sich über eine kompromittierte Drittanbieter-App Zugang zu sensiblen Daten von Unternehmen, darunter Palo Alto Networks. Sie nutzten gestohlene OAuth-Tokens, um direkt in zentrale Systeme einzudringen – ein genaues Abbild des „Wolfs im Schafspelz“-Prinzips: Außen harmlose Anwendung, innen bedrohlicher Zugriff.

Neue Qualität bei Cyberangriffen:

  • Gezieltes Social Engineering: Angreifer missbrauchten das Vertrauen von Mitarbeitenden und setzten sie unter Druck – oft so geschickt, dass kein Verdacht aufkam.

  • Kombination mit Künstlicher Intelligenz: Dank Deepfakes und KI-generierten Medien sind falsche Identitäten heute nahezu perfekt dargestellt – eine Erfahrung, die ich auf der it-sa live miterlebt habe.

  • Verkettete Risiken durch Drittanbieter: Schwachstellen werden über scheinbar harmlose Schnittstellen zwischen Diensten heimlich ausgenutzt.


Social Engineering & KI: Der Wolf unter uns

Der massive Anstieg an Social Engineering-Angriffen mit KI-Unterstützung zeigt: Nicht mehr technische Fehler, sondern der zwischenmenschliche „Faktor Vertrauen“ ist das bevorzugte Angriffsziel.

  • KI-basierte Deepfakes und Fake-Videocalls: Eine neue Qualität der Täuschung – was ich auf der it-sa selbst gesehen habe, hätte wohl jeden kurz zweifeln lassen.

  • Gefälschte Kommunikationswege: E-Mails, Telefonate und Chats wirken oft so echt, dass kritisches Hinterfragen zur wichtigsten Schutzmaßnahme überhaupt wird.

Gerade für Geschäftsleitung, IT-Entscheider und Compliance-Beauftragte gilt:Die Zeiten der naiven Gutgläubigkeit sind vorbei. Heute heißt es, auch den freundlichsten „Schafen“ genau auf die Wolle zu schauen.


Palo Alto Networks: So wurde reagiert – Vorbild für andere Unternehmen

Palo Alto Networks hat nach Bekanntwerden des Vorfalls vorbildlich gehandelt:

  • Sofortige Identifikation und Isolierung betroffener Systeme.

  • Offene, transparente Kommunikation gegenüber allen Betroffenen.

  • Stärkung von Kontrollmechanismen: Prüfung und Sperrung von OAuth-Tokens und Drittanbieterrechten.

  • Expertenmeinung: Das Zero-Trust-Prinzip und permanente Überwachung aller Schnittstellen wurden nochmals in den Fokus gerückt.


Handlungsempfehlungen: Damit Ihr Team den Wolf erkennt


1. Awareness – Ihre klare Botschaft ans Team

“Ich werde Sie in einem Call niemals unter Druck setzen, schnelle Entscheidungen zu treffen! Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, legen Sie einfach auf und rufen Sie auf dem offiziellen Weg zurück. Dafür bin ich Ihnen nicht böse – im Gegenteil: Ich bin stolz, wenn Sie so mithelfen, unser Unternehmen zu schützen.”

Bauen Sie diese Haltung aktiv in die Unternehmenskultur ein. Machen Sie klar: Kritisches Nachfragen ist ausdrücklich erwünscht!


2. Drittanbieter – Professionell nachbohren

“Unsere Geschäftsbeziehung zu externen Partnern hält es aus, wenn Sie kritisch hinterfragen. Kein seriöser Dienstleister nimmt es Ihnen übel, wenn Sie zur Sicherheit Dinge prüfen oder temporär verweigern.”

Kommunizieren Sie, dass Sicherheit immer Priorität hat. Vertrauen ist gut – Kontrolle und gesunde Skepsis besser!


3. Zero Trust & Misstrauen als Teamschutz

“Unsere Höflichkeit macht uns stark, aber Social Engineering setzt genau darauf. Helfen Sie Ihrem Team: Es ist absolut in Ordnung, im Zweifel lieber zu misstrauen und nachzuhaken, als blind zu vertrauen.”

Stärken Sie den Rückhalt für ein gesundes Maß an Skepsis. Machen Sie klar: Misstrauen ist in der IT-Sicherheit ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein.


Fazit: Nicht jedes Schaf ist harmlos

Cyberkriminalität hat heute viele Gesichter – und immer öfter trägt sie ein freundliches, bekanntes „Schafsfell“.

Nur mit klaren Regeln, offener Kommunikation und echtem Rückhalt von oben erkennt Ihr Team auch den bestgetarnten Wolf – bevor es zu spät ist.

Mein persönliches Fazit nach der it-sa: Die Angreifer werden raffinierter, ihre Methoden immer unauffälliger. Helfen Sie Ihrem Team, auch mal skeptisch zu sein und Stolz darauf zu empfinden, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. So bleibt die Blumenwiese voller Schäfchen ein sicherer Ort – auch wenn der nächste Wolf schon lauert.

 
 
 

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